Instrumental Music in the South German Region

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Über das Projekt

     Diese Website präsentiert zwei ineinandergreifende wissenschaftliche Projekte, die ich im Institut für Musikwissenschaft an der Universität Wien seit Oktober 2016 durchführe: Solistische Instrumentalmusik des 16. Jahrhunderts im süddeutschen Kulturraum (FWF-Projekt M 2062) und Solistische Instrumentalmusik im mitteleuropäischen Kulturraum (ca. 1500 – ca. 1550): instrumentale Praxis und humanistische Kontexte (FWF-Projekt V 661). Das Ziel von beiden Projekten ist, die Tabulaturen des 16. Jahrhunderts aus dem süddeutschen Raum im gesamten Komplex ihrer musikalischen, literarischen und graphischen Einträge zu erschließen. Das Material bilden vor allem handschriftliche Lautentabulaturen und nur ausnahmsweise einige handschriftliche Tastentabulaturen (siehe Material in Beschreibung der Datenbank). Angesichts des kargen Forschungsstands zu den meisten Tabulaturen und der Tatsache, dass einige Quellen immer noch schwer zugänglich sind, war das Vorhaben zunächst auf die Ergänzung, Prüfung und Korrektur der erstbibliografischen, -paläographischen und historischen Informationen angewiesen. Außerdem musste die Tabulaturschrift in Notenschrift übertragen werden, damit diese Musik überhaupt in den breiteren wissenschaftlichen Diskurs eingeführt werden konnte und so nicht mehr nur unter Lautenisten zirkuliert.

Methodisch zu lösen waren die Probleme der Überlieferung und Deutung von Skizzen und Fragmenten, die Frage der „Konkordanz“ an sich und des dahinter versteckten Problems der „Ähnlichkeit“ in der Instrumentalmusik. Sofern die Handschriften Übungs- oder jedenfalls Gebrauchshefte sind, d.h. Praktiken unmittelbar widerspiegeln oder einleiten, ergab sich die Frage nach möglicher Rekonstruktion dieser Praktiken, u.a. anhand von bis jetzt nicht bekannter handschriftlicher Symbolik (siehe Beschreibung der Datenbank). Mein Ziel war und ist es zu versuchen, das Material weitestmöglich aus der Perspektive der Musiker des 16. Jahrhunderts zu betrachten und die zeitgenössische Arbeit mit den Tabulaturen und ihre historische Wahrnehmung aufzuzeigen. Einer meiner Schwerpunkte liegt daher auf soziokulturellen Räumen der Instrumentalmusik.

Dies wäre unmöglich, ohne der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die studentischen Hefte, Notizbücher für den häuslichen Gebrauch oder Lehrbücher, welche die Tabulaturen oft waren, Teile der humanistischen Kultur sind. Sie sind reich an Indizien für humanistischen Ausbildung, von literarischen Komponenten (z.B. Sentenzen) bis hin zur breit gefassten Loci communes Technik und spezifischen Formen der Überlieferung des Materials als eine Art von „Freundschaftsalben“ (Alba amicorum). Soweit diese Phänomene in die Musik eindrangen, sie miteinbezogen oder zumindest im Zusammenhang mit ihr gedacht waren, bieten sie eine reichhaltige Perspektive und können als nutzbares Instrument für die Deutung der Tabulaturen dienen. 

Die Website gibt einen Überblick über die fortlaufende Arbeit am Projekt. Hier finden sich die Informationen über die publizierten Forschungsergebnisse, stattgefundene und geplante Workshops, Vorträge und Präsentationen, sowie einige Angaben zur CD-Produktion und zu anderen Audio-Einspielungen, die im Zusammenhang mit meinen Projekten aufgenommen wurden. Einzelne Quellen, wie z.B. D-LEm 191 oder Don Mus. Autogr. 1 waren bis jetzt von der Wissenschaft und Praxis dermaßen ausgeschlossen, dass ein Bedürfnis nach ihrer separaten Wiedergabe in kommentierter und edierter Form entstand. Die Arbeit daran dauert noch an, über die Fortschritte werden die Leser hier informiert.

Die größte Errungenschaft dieser Webseite jedoch besteht in ihrer Datenbank, in die laufend Forschungsdaten eingetragen werden. Sie ist interdisziplinär angelegt und ermöglicht es, alle Komponente der Forschungsarbeit im Zusammenhang zu sehen, z.B. das Zusammenspiel von literarischen (Sentenzen) und musikalischen Einträgen. Eine ausführliche Beschreibung der Konzeption der Datenbank (siehe Beschreibung der Datenbank) wird, wie auch die Datenbank selbst, im Laufe dieses Jahres freigegeben werden.  

Ich bedanke mich bei Allen, die mich dabei unterstützen, ganz herzlich!

Kateryna Schöning

(Stand: 1.1.2021)